Vor 50 Jahren in Südafrika: Schüleraufstand in Soweto
Am 16. Juni 1976 demonstrierten 10.000 Schüler*innen in Soweto. Die Demonstration gegen das verhasste Apartheitsregime in der Schule wurde von der Polizei angegriffen, die an dem und den folgenden Tagen über 100 Schüler*innen erschoss. Der als "Soweto Uprising" bekannte Schüleraufstand war der Wendepunkt im Kampf gegen die Apartheid in Südafrika. Dem Beispiel von Soweto folgten Schüler*innen im ganzen Land.
Als die etwa 10.000 Schüler*innen im Township Soweto bei Johannesburg auf die Straße gingen, erhielt die Polizei den Befehl, den Protest gegen die Einführung von Afrikaans als allgemeine Unterrichtssprache mit Einsatz von Schusswaffen zu unterbinden. Am ersten Tag starben 13 Jugendliche, weitere 93 wurden an den folgenden zwei Tagen. Auf dem Bild unten ist die Gedenkstätte für Hector Pieterson in Soweto zu sehen, der am ersten Tag von der Polizei erschossen wurde.
Der Soweto-Aufstand löste in ganz Südafrika Proteste gegen das Apartheitsregime aus, zuerst in den Townships der Großstädte wie Kapstadt, dann auch in den ländlichen Gemeinden und an den Universitäten. Die landesweiten Proteste und die ungezügelte staatliche Gewalt dauerten ununterbrochen fast eineinhalb Jahre an. Allein in Soweto beteiligten sich rund 250.000 Personen an den Protesten.
Steve Biko wurde 1977 festgenommen und verstarb nach 24 Tagen Folter in Polizeihaft. Er war Gründer der Black-Consciousness-Bewegung, die eine führende Rolle bei den Jugendaufständen hatte. Biko ist wohl der bekannteste Ermordete dieser Proteste. Die Untersuchung seines Todes wurde im Januar 2025 von der Staatsanwaltschaft in Pretoria wieder aufgenommen - nach 48 Jahren.
Im Abschlussbericht der Cillié-Kommission, die die Vorfälle untersuchte und nach dem Vorsitzenden Richter Cillié benannt wurde, war die Rede von 575 Toten infolge der Proteste, 3.907 Verletzten und 5.980 Festgenommenen. Tatsächlich dürfte die Opferzahl weitaus höher gelegen haben.
In Südafrika ist der 16. Juni als “Youth Day” ein Feiertag.


